Auf der Suche nach der bestmöglichen Prothese – die Arbeit von OrthopädietechnikmechanikerInnen

 

 

 

 

Nach dem Auftragen einer zweiten Schicht ist die Weichbettung fertig und der Prothesenschaft kann daran angepasst werden.
Unebenheiten werden begradigt, indem weiterer Schaumstoff angeklebt wird.
Damit die Weichbettung keine Kanten hat, werden diese abgeschliffen.

Wie geht es nach einer Amputation weiter? Auch nach vielen Gesprächen mit ProthesenträgerInnen stellte ich mir die Wahl und die Anpassung der richtigen Prothese als wenig kompliziert vor. Um mir von diesem Prozess jedoch ein realistisches Bild machen zu können, besuchte ich die OrthopädietechnikmechanikerInnen von APT-Prothesen in Bochum. In anderen Sanitätshäusern werden neben der prothetischen Versorgung auch Bandagen oder Schienen angepasst oder Pflegebetten zur Verfügung gestellt. Bei APT-Prothesen hingegen sind ausschließlich (zukünftige) ProthesenträgerInnen KundInnen. Doch was genau ist die Aufgabe der OrthopädietechnikmechanikerInnen?

Nach der Amputation kann nicht unmittelbar mit der Suche nach der richtigen Prothese begonnen werden. Die Wunde muss zunächst gut verheilen und nach einem Unfall muss Muskulatur erst wieder aufgebaut werden. Jetzt kann eine Prothese angefertigt werden. Der erste technische Schritt besteht dabei darin, dass vom Stumpf, also vom verbliebenen Bein oder Arm, ein Gipsabdruck genommen wird. Mit diesem Gipsabdruck können OrthopädietechnikmechanikerInnen weiterarbeiten und den Prothesenschaft anpassen. Jeder Stumpf ist dabei so unterschiedlich und individuell wie ein Fingerabdruck: er ist einzigartig. Für jeden Prothesenanwender und jede Prothesenanwenderin wird daher individuell ein Prothesenschaft gebaut. Zunächst wird nur eine Interimsversorgung hergestellt, die die AnwenderInnen bei weiteren Terminen und im Alltag ausprobieren dürfen und müssen. 

Bei jedem neuen Termin werden Unebenheiten mit Schaumstoff ausgepolstert und der Prothesenschaft jedes Mal weiter optimiert. Erst wenn die Interimsversorgung perfekt ist, wird die eigentliche Prothese, oftmals aus Carbon, hergestellt. Manche ProthesenanwenderInnen können dann direkt in den Prothesenschaft schlüpfen. Andere tragen in der Prothese einen sogenannten Liner, also eine Art Strumpf aus Silkon und wieder andere bekommen in den Prothesenschaft eine Weichbettung. Alleine für die Herstellung der Weichbettung sind zahlreiche Handgriffe notwendig. Gearbeitet wird auch hier mit dem Gipsabdruck. Er dient als Vorlage, an den die Weichbettung angepasst wird, Unebenheiten werden ausgeglichen und zum Schluss der eigentliche Schaft ergänzt. Wie die genaue Versorgung aussieht, hängt vom eigenen Wohlbefinden, aber auch von der Art der Amputation ab: während oberschenkelamputierte Personen den Stumpf eher direkt im Prothesenschaft haben, nutzen viele unterschenkelamputierte AnwenderInnen Liner, aber eben auch nicht alle.

An den Schaft schließt sich je nach Art der Amputation eine ansteuerbare Hand, ein Kniegelenk oder ein Fuß an. Hier gibt es verschiedene Modelle, die die TechnikerInnen zusammen mit den AnwenderInnen aussuchen und ebenfalls individuell einstellen.

Wer nun denkt, dass die finale Prothese – die Definitvversorgung – ein Leben lang unverändert bleibt, irrt. Es gibt viele AnwenderInnen, die über Jahre hinweg sehr gut mit ihrer Prothesenversorgung zurechtkommen. Bei vielen AnwenderInnen verändert sich der Stumpf aber mit der Zeit: beispielsweise treiben die ProthesenträgerInnen mehr Sport, wodurch der Stumpf schmaler wird und die Prothese rutscht. Hier wird ein Leben lang getüftelt, um die bestmögliche Versorgung zu erreichen. Mit einer Prothese ist es darüber hinaus auch nicht getan: zumindest eine Badeprothese, die man z. B. beim Duschen tragen kann, muss ebenfalls angefertigt und angepasst werden. Da beginnt der Prozess erneut beim Gipsabdruck. SportlerInnen nutzen darüber hinaus noch Sportprothesen; auch diese müssen hergestellt und optimal angepasst werden.

 

OrthopädietechnikmechanikerInnen haben also sehr viel zu tun, wenn sie zusammen mit ihren KundInnen versuchen, für jeden einzelnen und jede einzelne die bestmögliche Prothese mit dem individuell perfekten Prothesenschaft zu finden. Da sie dabei mit PhysiotherapeutInnen und ÄrztInnen im besten Fall ein interdisziplinäres Team bilden, das zum Ziel hat, die optimale Versorgung für jede Prothesenträgerin und jeden Prothesenträger zu gestalten, erachte ich es als wichtig, dass sich ÄrztInnen mehr mit der anspruchsvollen Arbeit der OrthopädietechnikmechanikerInnen auseinandersetzen.

 

Ein Text von Katharina Tscheu