Lebenslustig, humorvoll, ehrgeizig, Genussmensch, kreativ, originelle und persönliche Geschenkverpackungen (siehe Foto) – das sind nur einige der vielen Facetten von Martina. Ihre positive Einstellung zum Leben und ihre Kämpfernatur hat die Anfang 60-Jährige schon häufiger gebraucht. Aufgrund einer Polyneuropathie hat sich bei ihr eine Beinparese entwickelt. Der Begriff „Polyneuropathie“ fasst eine Gruppe von Erkrankungen zusammen, bei denen periphere Nerven geschädigt sind. Dies kann sowohl Nerven betreffen, die Beine und Arme ansteuern, aber auch Nerven, die zu inneren Organen ziehen. Daher sind auch die Symptome unterschiedlich: je nachdem welcher Nerv wie stark betroffen ist, spüren Betroffene weniger oder vernehmen ein Kribbeln. Die Gliedmaßen können auch teilweise oder vollständig geschwächt oder gelähmt sein. Es kommt zu falschen Empfindungen oder Krämpfen. Die Ursachen sind vor allem bei Diabetes mellitus oder vermehrtem Alkoholkonsum zu suchen. Bei Martina kam es in Folge der Polyneuropathie zu einer beidseitigen Beinparese. Dabei sind ihre Beine teilweise gelähmt. Sie kann diese zwar bewegen, aber lange Zeit nicht vollständig belasten. Auch die Muskeln sind atrophiert.

 

Martina sorgt nicht nur seit Jahren für Begeisterung bei ihrer Familie und Freunden mit persönlichen und besonderen Geschenkverpackungen, sondern lebt ihre Kreativität auch in der Malerei. Im Gespräch erzählt Martina aber auch von ihrer Willensstärke, die sie gebraucht hat, um wieder auf die Beine zu kommen. Sie berichtet uns, was sie antreibt und erklärt uns ihre Low Carb-Ernährung.

Was hat Dich angetrieben, so beharrlich Dein Ziel zu verfolgen?

 

Martina: Beim „Trainieren“ hatte ich einmal eine ganz witzige Situation: in einem langen Flur rolle ich am Schwesternzimmer vorbei, es kommt eine Schwester raus und hält mir ein Glas Wasser raus – wie bei der Tour de France (lacht). Ich war bekannt wie ein bunter Hund.

Bis Weihnachten habe ich nicht gewollt, dass mein damals achtjähriger Enkel mich besucht, da ich ganz schlimm aussah. Die Wangen waren noch weiter eingefallen als sie es von Natur aus sind. Als ich mich wieder besser fühlte, besuchte mich mein Enkel. Seit seiner Geburt stehen wir uns sehr nah, sodass er fast jedes Wochenende bei mir war. Samstagmorgens haben wir immer unsere Einkaufsrunde durch die lokalen Spielwarenabteilungen gedreht. Im Krankenhaus setzte er sich neben mich auf das Bett, klopfte mir gönnerhaft auf die Schulter und sagte zu mir: „Oma, wenn Du wieder laufen kannst, dann machen wir wieder unsere Samstagstour. Ich verspreche Dir, dass ich auch ganz geduldig mit Dir bin und nicht weglaufe.“ Für dieses Menschenkind wollte ich kämpfen.

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Nach dem Krankenhausaufenthalt stand sicherlich eine Reha an, oder?

 

Martina: Nach den drei Monaten im Krankenhaus bin ich für fünf Wochen in eine Kurzzeitpflege nach Dortmund gekommen, weil ich die Treppe zu meiner Wohnung noch nicht schaffte. Beim Aufnahmegespräch äußerte ich gleich, dass ich ab dem nächsten Tag eine Physiotherapeutin bei mir haben wollte, um Treppen zu laufen. Auch hier das gleiche Thema: als Privatpatientin mit anteiliger Kostenübernahme war das möglich. Nach fünf Wochen konnte ich nach Hause, weil ich die Treppe schaffte. Im August 2016 ging es in eine Reha – das fand ich ganz klasse. Ich war die älteste im Haus und die einzige im Rollstuhl. Dort wurde ich schon erwartet und erhielt coole Sonderbehandlungen. Beim Abschied erzählten sie mir dann, dass ich deren Projekt gewesen bin und sie mich aus dem Rollstuhl bekommen wollten. So war es auch.

 

Und jetzt bist Du auch beim Sport und im Fitnessstudio aktiv.

 

Martina: Im November kam ich nach Hause. Da war ich erst einmal müde, denn ein Jahr lang haben so viele Menschen an mir gezerrt, dass ich nur erschöpft war. Das hielt bis zum 1. Januar an, dann hatte ich Schnauze voll von zuhause (lacht). Mit meinem Rollator ging ich zur Physiotherapie um die Ecke, dreimal die Woche. Meine Physiotherapeutin wies mich auf das Fitnessstudio in der Nähe hin. Dort solle ich mal fragen, ob ich mich sportlich betätigen könne. Ich rief an und erkundigte mich, ob ich mich vorstellen dürfe. „Ja“, sagte die Leiterin, „aber wir sind kein Physiosport.“ Das wollte ich auch nicht, sondern ich wollte richtig Sport machen. Das ging aber nur unter erschwerten Bedingungen, schließlich brauchte ich den Rollator, um im Zirkel, der im Fitnessstudio aufgebaut ist, von einem Gerät zum nächsten zu kommen. Bei den Probetrainings merkte ich, dass es mir gut tat. Dreimal die Woche war ich immer so im Sportstudio, dass die Leiterin des Studios für mich Zeit hatte. Sie trug mir das Handtuch hinterher und hielt den Rollator bereit. Ende Juni stellte ich zum ersten Mal den Rollator in die Mitte des Zirkels – Sichtkontakt! Das ging aber ziemlich gut. Auch die anderen Damen im Fitnessstudio haben mich wunderbar unterstützt. Nach und nach erlernte ich auch die Übungen zwischen den Geräten. Wenn ich Übungen auf dem Stepper freihändig nicht konnte, machte ich sie an der Ballettstange. Alles, was gar nicht ging, nahm ich mit zur Physiotherapie. So ging es Schritt für Schritt immer besser.

 

 

,,Für dieses Menschenkind wollte ich kämpfen."

~ Martinas Enkel hat ihr die entscheidende Motivation gegeben, um sich

wieder zurück zu kämpfen.

 

 

Du hast Dich also zurückgekämpft. Gibt es noch etwas, das Du noch schaffen möchtest?

 

Martina: Ich möchte noch einmal in meinem Leben auf einem Pferd sitzen. Neben meinem Beruf als Erzieherin war ich auch Reitpädagogin und Berufsreiterin. Das musste ich aufgeben, weil mein Sohn hochgradiger Asthmatiker ist und besonders heftig auf Pferdehaarallergene reagiert. An meinem Wunsch bin ich aber schon dran. Vielleicht klappt es bald, dass ich noch einmal über eine Wiese galoppiere. Dann möchte ich aber nicht vom Pferd fallen und sterben (lacht) – noch lange nicht.

Als junge Frau war ich außerdem leidenschaftliche Tänzerin und nahm mit meinem Tanzpartner an B-Turnieren teil. Ich würde schon gerne noch einmal in eine Disco, aber dafür bin ich vermutlich zu alt (lacht). Ansonsten bin ich absolut zufrieden mit meinem Leben: meinen Kindern geht es gut, sie sind beide glücklich liiert, ich habe einen wunderbaren Enkel, ich komme nach einem kleinen Rosenkrieg mit meinem Ex-Mann freundschaftlich gut klar, wir feiern alle Familienfeste zusammen, ich habe mein finanzielles Auskommen, meine Brüder sind gesund. Ich habe ein wundervolles Leben! Im Frühjahr 2020 habe ich mit der Aquarell-Malerei begonnen, was mir sehr viel Freude macht. Bis auf die normalen Höhen und Tiefen, die ein Tag mit sich bringen kann, führe ich ein sehr glückliches Leben. Das ist nicht pathetisch, sondern so fühle ich mich wirklich. Demütig und dankbar bin ich geworden, aber es geht mir richtig gut.

 

Woher nimmst Du diese positive Kraft und Deinen unbändigen Willen?

 

Martina: Ich war immer eine Kämpfernatur, ich war immer ehrgeizig. Mein Vater war Berufsreiter und ich begann im Alter von zehn Jahren mit dem Reiten, aber nicht so wie man sich das romantisch verklärt vorstellt. Mit vierzehn Jahren war ich zum ersten Mal bei einem Turnier, mein Vater war mein Coach. Ich musste immer gute Leistungen bringen. Wenn man mit einem lebendem Sportgerät umgeht, hat man eine ganz andere Verantwortung, als wenn man nur einen Tennisschläger in die Ecke stellt. Die Reiterei hat mich ganz stark geprägt. Wir hatten immer eigene Pferde und man musste für die Pferde da sein: mit Disziplin, mit Verantwortung, mit Pünktlichkeit, mit Ordnung. Relativ früh kamen auch die Turniererfolge. Das hat mich angespornt, auch in der Schule gut zu sein, denn das war die Bedingung für das Reiten. Ich bin meinen Eltern unendlich denkbar, dass sie mich unterstützt haben, aber gleichzeitig auch sehr streng waren.

Es gibt ein Foto von mir, auf dem ich zwei Jahre alt bin, im Kinderwagen sitze und über das ganze Gesicht grinse. Meine Mutter schrieb darunter: „Martina ist immer ein fröhliches Kind.“ Ich habe mich auch nie unterkriegen lassen. Klar, habe ich im Krankenhaus auch den „Blues“ bekommen und dachte, ich würde nie wieder laufen können. Das war nach siebeneinhalb Minuten wieder vorbei. Meine Familie hat nie mit dem Finger auf mich gezeigt und mir vorgeworfen, dass ich selbst an der Situation Schuld sei – nie. Sie haben mich alle unterstützt. In der Zeit zwischen der Kurzzeitpflege und der Reha ist meine Tochter mit ihrem Sohn bei mir eingezogen. Mein Ex-Mann erledigte die gesamte Buchhaltung und ist mit allem in Vorkasse gegangen. Natürlich haben wir das alles abgerechnet hinterher.

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Hallo Martina, toll, dass Du Zeit für uns hast, um unsere Fragen zu beantworten. Vor einigen Jahren hat sich Dein Leben verändert: was ist passiert?

 

Martina: Vorab muss ich sagen, dass ich „Genuss-Alkoholikerin“ war. Ich habe nie Schnaps oder Bier getrunken, sondern immer guten Wein. Die erste Veränderung, eigentlich der erste Nackenschlag, war 2012 mein Hörsturz. Damals arbeitete ich noch als Erzieherin in einer Grundschule. Nach dem Hörsturz hatte ich Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und zusätzlich hat mir das pädagogische Konzept nicht mehr gefallen, sodass ich im November 2012 aufgehört habe zu arbeiten. Ich bin danach aber nicht in ein Loch gefallen und habe auch nicht mehr getrunken als zuvor, und dennoch hatte ich wenig Antrieb. Daraufhin erhöhte mein Schilddrüsenarzt die Dosierung meines Schilddrüsenmedikamentes, allerdings war ich nie regelmäßig bei Kontrollen. Im Oktober 2015 merkte ich schließlich, dass es mir nicht gut ging. Psychisch war alles in Ordnung, aber ich konnte nichts mehr essen, obwohl ich ein Genussmensch bin. Außerdem nahm ich ganz komisch ab, aber nicht so, wie man es sich wünscht. Auf einmal hatte ich einen dicken Bauch, aber ganz dünne Arme. Hinzu kamen Schwindelanfälle und Übelkeit. Dann habe ich mich hingesetzt und mir gesagt, dass ich wieder richtig etwas essen muss. Ich bin Schwabe und machte mir also eine wunderbare Leberkässemmel mit Rettich und Radieschen. Dazu habe ich mir eine Flasche Rotwein aufgemacht. Aber der Geruch war schon ganz komisch, die Flasche habe ich dementsprechend zur Seite gestellt. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Das Essen sah ich nur an und danach spie ich Gift und Galle. Daraus entstand das Motto: „wer nichts essen kann, der bekommt auch nichts zu trinken.“ Seitdem habe ich keinen Alkohol mehr getrunken.

 

Beeindruckend, dass von jetzt auf gleich zu entscheiden und durchzuziehen. Wann und wie kam es zur nächsten Veränderung?

 

Martina: Am 7. Dezember 2015 bin ich schließlich auf dem Weg ins Schlafzimmer in meinem Flur zusammengebrochen und konnte nicht mehr aufstehen. An diesem Tag war es zum Glück so, dass meine Tochter vormittags auf einen Kaffee vorbeikam. Sie hat mich gefunden und war ganz aufgeregt. Ich bin also ins Krankenhaus gekommen. Am ersten Tag habe ich beim Blut abnehmen gleich gesagt, dass die Leberwerte noch erhöht sein könnten, obwohl ich zu diesem Zeitpunkt schon seit über einem Monat keinen Alkohol mehr getrunken hatte. Witzigerweise waren die Leberwerte normal.

Bis zum 22. Dezember war ich dreimal im MRT, mir wurde Rückenmarksflüssigkeit entnommen und es wurde eine Muskelbiopsie gemacht, bis der Professor irgendwann darauf gekommen ist, dass ich eine Polyneuropathie mit einer Beinparese habe. Ich konnte die Beine schon bewegen, wenn ich im Bett oder im Rollstuhl saß, aber ich konnte nicht aufstehen. Ich musste mich im Liegen anziehen; am Anfang war ich so schwach, dass ich mit den Beinen die Bettdecke nicht bewegen konnte. Als der Professor mir meine Diagnose verkündete, wollte ich nur wissen, wie lange das dauern würde. Das konnte mir der Professor auch nicht sagen. Außerdem müsste ich mir im Klaren darüber sein, dass ich zu fünfzig Prozent im Rollstuhl verbleibe. Ich habe ihn angeschaut: „Und was können wir dagegen unternehmen?“ „Bewegung“ war die Antwort. Zum nächst möglichen Zeitpunkt, sprich ab dem nächsten Tag, habe ich Physiotherapie eingefordert. Als ich gesagt habe, dass ich als Privatpatientin auch anteilig die Kosten übernehme, war das gar kein Problem. Fünfmal in der Woche habe ich meine Physiotherapie bekommen. Zudem bekam ich ein kleines Bodenfahrrad und konnte mit diesem trainieren. Im Rollstuhl sitzend habe ich meine Runden im Krankenhaus gedreht: die eine Strecke habe ich mit den Armen gerudert, die andere Strecke habe ich mich mit den Füßen gezogen – ich bin also fast gelaufen.

Du schaust so positiv in das Leben. Gibt es dennoch Einschränkungen für Dich?

 

Martina: In der Zeit der Pandemie fahre ich z. B. kein Zug und Bus, obwohl ich das mit dem Rollator immer alleine gemacht habe. Es hat lange gedauert, bis dass ich mich das getraut habe. Vor der Pandemie war ich einmal in der Woche schwimmen, weil mir das auch therapeutisch geholfen hat. Das sind so die Höhen und Tiefen des Alltags, die mich einschränken. Aber ich bin pragmatisch: dann ist eben so und es wird irgendwann auch wieder anders werden. Davon lasse ich mich auch nicht herunterziehen.

 

Im Fitnessstudio bist Du neben Deinem Ehrgeiz auch dafür bekannt, dass Du Deine Ernährung vollkommen umgestellt hast. Was isst Du noch?

 

Martina: Ganz viel (lacht). Dadurch dass ich über ein Jahr lang im Rollstuhl saß, wurde ich dick. Auf 1.65m wog ich 72kg – das war Größe 44. Ich dachte, wenn ich mich dreimal die Woche richtig bewege, wird sich daran etwas ändern – im Leben nicht. Irgendwann sah ich aber ein Gesundheitsmagazin, wo über Low carb gesprochen wurde. Für mich hörte sich das schlüssig an: wir seien evolutionär gar nicht darauf angelegt, Kohlenhydrate zu essen – siehe Steinzeit. Erst einmal kaufte ich mir ein Fachbuch und stellte von heute auf morgen meine Ernährung komplett um. Vorher war ich ein „Schokoholic“. Ich verzichte auf Nudeln, Reis und Kartoffeln. Im Internet suchte ich mir Rezepte heraus und experimentierte: seit Juni 2017 ernähre ich mich Low carb. Nach dem Motto: in der Not frisst der Teufel die Wurst auch ohne Brot. Ich mag z. B. gerne Räucherlachs. Den esse ich eben mit ein bisschen Feigensenf und Salzmandeln. Viele sagen, dass sie nicht auf Brot oder Kartoffeln verzichten könnten. Das habe ich noch nie viel gegessen. Obwohl ich Schwabe bin, bin ich auch kein Fan von Nudeln.

Aber ich bin ein Joghurt-Junkie: ich esse fast einen Liter Joghurt am Tag. Ich backe mir meine Müslikekse selber, die ich in den Joghurt brösle, ich mache frisches Kompott. Wenn wir außerhalb essen gehen, esse ich Fisch ohne Kartoffeln mit Grillgemüse oder Fleisch, so ein schönes Rumpsteak. Wo ich nicht Nein sagen kann, ist beim raffinierten Nachtisch, z. B. bei Schokoladenmuffins mit flüssigem Schokoladenkern. Da habe ich anschließend auch drei Tage Bauchschmerzen, aber das ist mir dann egal (lacht) – das ist Lebensqualität.

 

Was hat Deine Familie denn zu dieser radikalen Veränderung gesagt?

 

Martina: Am Anfang hat meine Familie nur über mich gelacht. Als ich zwölf Kilo abgenommen hatte und mich mein Ex-Mann nach längerer Zeit wiedersah, meinte er nur, dass ich mit dem Abnehmen aufhören solle. Jetzt nehme ich aber auch nichts mehr ab. Ich fühle mich dabei gut und fühle mich mit dieser Ernährungsweise wohl. Gut, Pizza gibt es nicht mehr. Doch ich bin von Kohlenhydraten genauso weit weg wie vom Alkohol. Ich esse auch Schokolade, aber eben hochprozentige mit 81 Prozent Kakaoanteil, die weniger Zucker enthält. Da reichen mir zwei Stückchen am Abend – wunderbar.

 

Hast Du aufgrund Deiner Erfahrungen etwas, das Du jungen ÄrztInnen weitergeben möchtest?

Martina: Mir hätte es z. B. nichts ausgemacht, wenn Studierende bei den Visiten dabei gewesen und mit dem Professor mitgelaufen wären. Das fände ich gut, wenn das noch verstärkter gemacht würde. Ich habe großen Respekt davor, dass junge Menschen dieses Studium mit Einschränkungen oder gar Schulden auf sich nehmen, um später als ÄrztInnen tätig zu sein, doch ich habe in meiner ganzen Zeit im Krankenhaus nicht einen Studierenden gesehen.

Was ich super fand – ich bin eben Privatpatientin –, war, dass ich nie eine Nummer war. Ich bin immer mit Namen angesprochen worden. Der Professor kam morgens mit der Kaffeetasse herein, setzte sich zu mir an den Tisch und tastete mir die Beine ab. Ich fühlte mich sehr gut aufgehoben. Ich würde mir einfach wünschen, dass Studierende auch genau hinsehen und zwar nicht nur auf die Akte, sondern auch den PatientInnen in die Augen. Nach zwei Monaten im Krankenhaus hatte ich wieder Lust, mich zu schminken, zumindest Wimperntusche und Lipgloss. Der Professor kam an diesem Morgen herein, sah mich an und meinte: „Sie gefallen mir heute richtig gut!“ Er hatte auch immer ein persönliches Wort für mich. Das würde ich mir mehr wünschen.

 

Herzlichen Dank für das inspirierende Gespräch. Alles Gute für Dich!

 

Das Interview führte Katharina Tscheu.

Diagnose: Wieder auf die Beine kommen